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Das Projekt für das Axel-Springer Gebäude basiert auf Aufnahmen sprechender Münder. Auf dem Dach des Gebäudes sind zwei gleichzeitig sprechende Münder
weithin sichtbar. Welche Worte sie - unhörbar - aussprechen, ist für jede BetrachterIn nach einer Weile leicht auszumachen. Es sind die Sätze „Alles ist Weiß”
und „Alles ist Schwarz”.
Diese gegensätzlichen Behauptungen werden von den direkt nebeneinanderliegenden Mündern gesprochen. So ergibt sich folgende Abfolge in der Projektion:
Eine Frau sagt „Alles ist weiß“, neben ihr sagt ein Mann: „Alles ist Schwarz“. Danach findet ein Wechsel statt. Die Frau sagt nun: „Alles ist Schwarz“,
während der Mann sagt: „Alles ist Weiß“. Die Projektion zeigt einen Anschnitt der Gesichter, der auf den sprechenden Mund fokussiert - aber gleichzeitig
Informationen wie Geschlecht und Herkunft der SprecherInnen transparent lässt.
Diese Aussagen werden in verschiedenen Sprachen gezeigt. Diese Sätze sind in neun Sprachen „zu sehen“: Amharisch (Äthiopien), Russisch (Russland),
Französisch (Frankreich), Arabisch (Marokko), Deutsch (Deutschland), Türkisch (Türkei), Hebräisch (Israel), Englisch (Neuseeland/Groß-Britannien), Dari
(Afganistan) und Mandarin (China). Die SprecherInnen sind jeweils zwei MuttersprachlerInnen beider Geschlechter. Jede Sprache erhält ein Zeitfenster von
zirka 30 Sekunden. Die Bewegungen der Lippen und Münder sollen so klar und prägnant sein, dass jede BetrachterIn des selben Sprachraumes die Aussagen leicht
erfassen kann.
Auf einem weithin sichtbaren Pressehaus Berlins gezeigt, bezieht sich die Arbeit inhaltlich auch auf den Wahrheitsanspruch der Mediengesellschaft. So ist
es dem gegenwärtigen Menschen stets ein Bedürfnis die Wahrheit mit Fakten zu beweisen. Die sich widersprechenden Behauptungen - „Alles ist Weiß“,
beziehungsweise, „Alles ist Schwarz“ - schaffen Irritation und lassen durch die Wortwahl einen weiten Assoziationsraum entstehen. So kann man hier
sicherlich das „Schwarz auf Weiß“ der Beweiskraft der Druckmedien assoziieren. Doch können auch politische Konflikte in die Reflektion geraten. Bei
den komplexen Auseinandersetzungen des Nahen Ostens beispielsweise ist nicht mehr wirklich und wahrheitsgetreu auszumachen, wer nun die „weiße“ Weste an hat.
Dadurch, dass die Sprache nicht zu hören ist, sondern dass das Sprechen „nur“ zu sehen ist, wird die BetrachterIn neugierig und möchte gerne wissen,
was sich hinter dieser Projektion verbirgt. So können die gängigen Kommunikationsstrukturen aufgebrochen werden. Durch die schlichte Konzeption der
Arbeit bleiben die Bedeutungsfelder dabei offen und die BetrachterIn hat die Freiheit sie mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen zu füllen.
Videoscreening auf dem Axel-Springer-Gebäude in der Kochstraße in Zusammenarbeit mit Holger Friese.
Kuratiert von Annika von Taube / sleek
„Schwarz und Weiß“,
LED Screen, Screen Fläche 50,4 x 4 Meter, 3 Blöcke zwischen 60 und 90 sec. Berlin 2007.
zur deutschen Fassung
The project for the Axel-Springer-building in Berlin is based on images of talking mouths.
On the screen on top of the tower block, two mouths can be seen from the distance. After a while it
is easy to discern what they are pronouncing, even though it is inaudible – they say "everything is white" and "everything is black".
These contradictory statements are spoken by two mouths directly next to each other, in a continuous sequence:
first a woman says, "everything is white", next to a man who says, "everything is black"; then there is a change, and the woman
says, "everything is black", while the man says, "everything is white". The film shows a part of the faces, but focuses on the
talking mouths, and thus the information about gender and race of the speakers remains transparent.
The words can be 'seen' in nine different languages: Amharic (Ethiopia), Russian (Russia), French (France),
Arab (Morocco), German (Germany), Turkish (Turkey), Hebrew (Israel), English (New Zealand/UK), Dari (Afghanistan)
and Mandarin (China). In each case, the two people are native speakers of either sex. Each language has a time frame
of about 30 seconds. The movements of the lips and mouths are so clear and concise that each viewer of the same
linguistic area can easily perceive the statements.
The fact that the language cannot be heard and the process of speaking is 'only' seen incites the viewers' curiosity
and they want to know, what is hidden behind this film. Thus, the usual communication structures are prised open, and
through the simplicity of the piece's conception, the viewers are at liberty to fill them with meaning of their own,
with their own thoughts and feelings.
Shown on a prominent and widely visible press building in Berlin, the piece also refers to the necessity for truth in
the news industry. It is a contemporary urge to prove the truth with facts, and the contradictory statements –
"everything is white" and "everything is black" – create irritation and are open to a wide variety of associations. One can surely
associate the conclusive "in black and white" of the printed media. Yet, other points of reference could be various political
disputes. In the complex conflicts of the Near East for example, it is difficult to say, whose record is all white and clean.
Video screening on top of the Axel-Springer-Building in Berlin, in cooperation with Holger Friese.
Curated by Annika von Taube / sleek magazine
„Schwarz und Weiß“,
LED screen, screening dimensions 50,4 x 4 meters, 3 film sequences dur. in between 60 und 90 sec. Berlin 2007.
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