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Wir lesen einander gegenübersitzend. Ich lese auf Spanisch: “Cien años de soledad” von Gabriel García Marquez. Ich frage Fernando nach Worten, die ich nicht begreife, er erklärt sie mir in seiner Muttersprache (Spanisch). Anschließend liest Fernando einen Text auf Deutsch - Auszüge aus Franz Kafkas “Amerika”, und ich erkläre ihm unverständliche Begriffe in meiner Muttersprache. Den ausgewählten Textpassagen ist das Thema der Sprache gemeinsam. In “Cien Años de Soledad” vergessen die Bewohner Macondos durch die Schlafkrankheit Bezeichnungen und Begriffsinhalte, sie verlieren ihre Sprachfähigkeit und damit einhergehend ihre Identität. Auch die Szene im Hotel Occidental des Romans “Amerika” zeigt den Identitätsverlust. Durch die Überflutung des Portiers mit Aufträgen und Fragen ist ein Verstehen unmöglich geworden und die chaotische Nähe in der Gruppe der Bittsteller entlarvt die Einsamkeit des einzelnen und seine Ohnmacht.
Während dieses Prozesses nehmen 2 zwischen uns stehende Videokameras auf. Diese Aufnahmen schneiden wir zeitlich verschoben auf zwei Bänder, sodaß in der Installation unsere lesenden Aufnahmen - in der wir in der Muttersprache des anderen sprechen - gleichzeitig erscheinen, danach werden die Passagen projiziert, in denen wir in unserer eigenen Sprache dem anderen die Begriffe erklären. Über 4 im Raum verteilte Boxen ist es dem Betrachter möglich im Zentrum vier Tonquellen wie einen Chor wahrzunehmen, oder über jede einzelne Box jeweils: Fernando in - Deutsch lesend, - Spanisch erklärend, mich - Spanisch lesend, - Deutsch erklärend zu hören.
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